Arbeitnehmerähnlicher Selbständiger im Sinne von § 2 Nr. 9 SGB VI ist ein Einzelunternehmer (Freelancer, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Subunternehmer), der im wesentlichen und auf Dauer für einen Auftraggeber arbeitet und keinen eigenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt. Ein arbeitnehmerähnlicher Selbständiger ist zwar ein echter Selbständiger, der aber gesetzlich dazu verpflichtet ist, sich in der Rentenversicherung der DRV zu versichern. Die Beiträge der Pflichtversicherung in der Deutschen Rentenversicherung muss er selbst zahlen.

So „erwischt“ die DRV Sie als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger

Grundsätzlich müssen sich arbeitnehmerähnliche Selbständige als gesetzliche Rentenversicherungspflichtige bei der DRV selbst melden. Die meisten Selbständigen, die als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger anzusehen sind, wissen davon nichts. Hauptursache dafür ist, dass der Steuerberater auf diese Problematik seine selbständigen Mandanten nicht hinweist oder gar – was sehr oft geschieht – das ganze mit Scheinselbständigkeit verwechselt und mit verschiedenen, leider selten zutreffenden Gründen, auf Nachfrage Entwarnung gibt.

Die Deutsche Rentenversicherung kann arbeitnehmerliche Selbständige ermitteln, wenn sie bei Betriebsprüfungen beim Auftraggeber auf die Rechnungen eines arbeitnehmerähnlichen Selbständigen stößt.

Häufiger aber erfährt die DRV von der Rentenversicherungspflichtigkeit durch eigene Mitteilungen des Selbständigen oder ein Statusfeststellungsverfahren.

So kann ein Antrag auf freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung dazu führen, dass die DRV feststellt, dass eine gesetzliche Versicherungspflicht besteht und keine „freiwillige“.

Auch ein Antrag auf Kontenklärung bei ungeklärten Zeiten aus einer selbständigen Tätigkeit ist gefährlich.

Schließlich kann ein Statusfeststellungsverfahren ergeben, dass zwar keine abhängige Beschäftigung vorliegt, sondern eine selbständige Tätigkeit, leider aber eine rentenversicherungspflichtige Selbständigkeit.

Uns sind auch Fälle bekannt, in denen eine Befreiung für die ersten drei Jahre der Existenzgründung beantragt wurde, nach drei Jahren die DRV erneut prüfte und dabei zum Ergebnis kam, dass in der Vergangenheit gar keine selbständige Tätigkeit vorlag oder aber ab sofort eine gesetzliche Pflichtversicherung als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger.

Auch ein Rentenantrag kann sich nachträglich als Beitragsfalle entpuppen. So fragt die lokale DRV Rentenberatungsstelle, bei der man den Rentenantrag stellen kann, routinemäßig nach der letzten Tätigkeit. Da kann sich die Antwort „Tennislehrer“, „Dozent“, „Trainer“, aber auch „selbständiger Berater“ oder „IT-Consultant“ fatal auswirken, nämlich in Nachfragen der DRV und schließlich einer saftigen Beitragsnachforderung (für knapp 5 Jahre den Regelbeitrag).

Die meisten Selbständigen tappen also unfreiwillig in die Pflichtversicherung, weil sie nicht ahnen, wohin das Ausfüllen diverser Formulare der DRV führt.

Es ist daher immer anzuraten, vor dem Ausfüllen den Rat eines spezialisierten Anwalts einzuholen. Dieser sollte nicht nur über Buchwissen, sondern erhebliche praktische Erfahrung verfügen.

So umgehen sie die Rentenversicherungspflicht als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Rentenversicherungspflicht völlig legal zu vermeiden.

1. Befreiung von der Rentenversicherungspflicht als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger als Existenzgründer in den ersten drei Jahre

2. Vermeidung der Abhängigkeit von einem Auftraggeber (5/6 Regelung)

3. Beschäftigung eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers

Worst case: Beitragsnachforderung der DRV

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, wird es schwierig. Dann ist die Prüfung durch einen auf das Thema spezialisierten Rechtsanwalt erforderlich. Für die Vergangenheit kommt eine Vermeidung der Nachzahlung nur in Betracht, wenn der Bescheid fehlerhaft ist, die Beitragsforderung zu hoch ist oder Scheinselbständigkeit vorlag.  Oft gelingt es aber, den Zeitraum der Nachzahlung zu verkürzen, und /oder Säumniszuschläge zu verhindern. Sprechen Sie uns an. Wir können nicht immer, aber oft helfen. Nutzen Sie unser Onlinekontaktformular „Terminvereinbarung“ für eine unverbindliche Anfrage.

 

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