Auftraggeber haben in aller Regel die Folgen von Scheinselbständigkeit zu tragen, neben Beitragsnachforderungen für mehrere Jahre (bis zu fünf Jahren rückwirkend, bei Vorsatz sogar 30 Jahre) u.U. auch Geldbußen, Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe. Für Auftragnehmer, also die Scheinselbständigen, halten sich die Folgen in Grenzen, u.U. lohnt sich die Feststellung einer Scheinselbständigkeit für Auftragnehmer sogar.

Mehrere Auftraggeber

Mehrere Auftraggeber schützen entgegen einem verbreiteten Rechtsirrtum nicht vor Scheinselbständigkeit, weil bei einer Betriebsprüfung und im Statusfeststellungsverfahren immer der einzelne Auftrag bzw. das Auftragsverhältnis zwischen dem Auftragnehmer und dem beauftragenden Unternehmen auf Scheinselbständigkeit geprüft wird. Es daher möglich, im einen Auftrag scheinselbständig, im anderen als selbständig anerkannt zu werden. Maßgeblich sind jeweils die Beschäftigungsmodalitäten im jeweiligen Auftragsverhältnis. Es bringt daher wenig, wenn sie Selbständige fragen, ob sie mehrere Auftraggeber haben. Allerdings KANN es ein Indiz für eine echte Selbständigkeit sein, wenn für mehrere Unternehmen gearbeitet wird. Allerdings gibt es einen anderen Grund, Auftragnehmer danach zu fragen, ob sie mehrere Auftraggeber haben:

Selbständige mit nur einem Auftraggeber

Arbeitnehmerähnliche Selbständige mit im wesentlichen nur einem Auftraggeber und ohne sozialversicheungspflichtigem Arbeitnehmer müssen als als rentenversicherungspflichtige Selbständige Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Als ein Auftraggeber sind auch Konzernunternehmen im Sinne des § 18 Aktiengesetz anzusehen.

Arbeitnehmerähnliche Selbständige wissen von der Rentenversicherungspflicht oft nichts. Kommt es zu einer Beitragsnachforderung, flüchten viele arbeitnehmerähnliche Selbständige in die Scheinselbständigkeit. Das ist für den dann Arbeitgeber mit bösen Folgen verbunden. Während der arbeitnehmerähnliche Selbständige für die Beitragsnachforderung der Rentenversicherung haftet, muss bei Scheinselbständigkeit der „Arbeitgeber“ die Beiträge nachzahlen.

Wir empfehlen Auftraggebern daher, wie in der Bauwirtschaft mit Nachunternehmerbedingungen zu arbeiten und regelmäßig zu prüfen, ob die eingesetzten Selbständigen rentenversicherungspflichtig sind oder werden. Maßgeblich ist nämlich das jeweilige Kalenderjahr.

Auftragnehmern empfehlen wir, im eigenen Interesse ihren Status frühzeitig durch einen spezialisierten Anwalt klären lassen, weil die Flucht in die Scheinselbständigkeit auch Nachteile hat und besser vermieden wird.

Stichworte im Rechtslexikon und auf felser.de

arbeitnehmerähnlicher Selbständiger, 5/6 Regelung, Scheinselbständigkeit

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