Rentner können scheinselbständig sein, Rente schützt vor Scheinselbständigkeit nicht. Wer neben der Rente einer selbständigen Tätigkeit nachgeht, unterliegt denselben Regeln wie Selbständige, die noch keine Rente beziehen oder Arbeitnehmer, Richter, Beamte oder Soldaten, die einer vermeintlich oder tatsächlich selbständigen Tätigkeit nachgehen.

Besonderheiten bei einem Rentner

Allerdings ergeben sich Besonderheiten bei der Beitragspflicht bei der Feststellung einer abhängigen Beschäftigung von Rentnern. Eine echte selbständige Tätigkeit von Rentnern ist davon nicht betroffen, die nachfolgenden Hinweise gelten also nur für Rentner, die ganz normal einen Nebenjob als Arbeitnehmer haben oder aber formal selbständig, tatsächlich aber scheinselbständig sind.

Aus den internen Dienstanweisungen der DRV:

Beschäftigte, die eine Vollrente wegen Alters beziehen, sind rentenversicherungsfrei. Der  Arbeitgeber hat für diese Beschäftigten seinen Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung zu entrichten. Erhält ein Beschäftigter nur eine Teilrente wegen Alters, so unterliegt er in der Beschäftigung weiterhin der Rentenversicherungspflicht.

Altersvollrentner bleiben in einer Beschäftigung kranken- und   pflegeversicherungspflichtig. Beschäftigte, die eine Rente wegen voller Erwerbsminderung beziehen, sind arbeitslosenversicherungsfrei – jedoch kranken-, pflege- und rentenversicherungspflichtig.

Auch die altersbedingte Versicherungsfreiheit in der Arbeitslosenversicherung bezieht sich nur auf den Arbeitnehmeranteil. Der Arbeitgeber muss den Arbeitgeberanteil gleichwohl abführen. Die Beschäftigung von Rentnern ist daher für den Arbeitgeber kaum von Vorteil, weil er seinen Teil der Sozialversicherungsbeiträge zum größten Teil trotzdem zahlen muss.

Ausnahmen bei geringfügiger Beschäftigung oder kurzzeitiger Beschäftigung

Daneben ist zu prüfen, ob eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) oder eine kurzzeitige Beschäftigung vorliegt. Eine Beschäftigung kann nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV wegen der geringen Höhe des Arbeitsentgelts (geringfügig entlohnte Beschäftigung oder auch Minijob) oder nach § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV wegen ihrer kurzen Dauer (kurzfristige Beschäftigung) geringfügig sein.

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt in der Zeit vom 01.01.2015 bis 31.12.2018 nach § 115 SGB IV vor, wenn die Beschäftigung für eine Zeitdauer ausgeübt wird, die im Laufe eines Kalenderjahres auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage nach ihrer Eigenart begrenzt zu sein pflegt oder im Voraus vertraglich (z. B. durch einen auf längstens ein Jahr befristeten Rahmenarbeitsvertrag) begrenzt ist. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt allerdings nicht mehr vor, wenn die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung 450 Euro überschreitet.

Zulässiger Nebenverdienst neben Rente

Neben einer Vollrente wegen Alters darf ein Rentner bis zu 450 Euro im Monat hinzuverdienen, ohne dass die Rente gemindert wird. Wir die Altersrente als Teilrente gewährt, gelten individuelle Hinzuverdienstgrenzen, die in jedem Fall über 450 Euro liegen.

Meldepflicht bei Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit

Bezieht ein Rentner eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, ist er verpflichtet, dem Rentenversicherungsträger jede Aufnahme einer Beschäftigung – auch die Aufnahme eines Minijobs – mitzuteilen.

Links

Sehr gut beschrieben ist die Lohnabrechnung bei einer Beschäftigung von Rentnern in den verschiedenen Konstellationen auf Lohninfo.de.

 

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