Die Stuhlmiete ist ein Geschäftsmodell, dass sich zunehmend bei Friseuren, aber auch in Tattoostudios etabliert. Ein unterschätztes Risiko bei der Stuhlmiete ist die drohende Scheinselbständigkeit und hohe Nachzahlungen für den Vermieter.

Was ist eine Stuhlmiete?

Bei der Stuhlmiete zahlt der Selbständige ein Entgelt für die Nutzung des „Stuhls“ an den Inhaber des Salons bzw. Studios und bedient dort eigene Kunden. Diese sind also auch seine Auftraggeber, er bekommt kein Honorar vom Inhaber des Salons oder Studios. Für den Vermieter hat das den Vorteil, dass die Auslastung der Räume verbessert wird, für den selbständigen Mieter ist es eine kostengünstige Möglichkeit, in die Selbständigkeit zu starten.

Wie wird die Stuhlmiete berechnet?

Für die Berechnung der Stuhlmiete kommen vor allem zwei Möglichkeiten in Betracht: Berechnung nach Umsatz oder nach Fläche, aber auch pauschale Mieten sind verbreitet.

Sicherer als eine Umsatzmiete ist im Hinblick auf das Risiko einer scheinselbständigen Beschäftigung eine feste Miete (pauschal oder anteilig nach qm) pro Monat, da dadurch das nach der Rechtsprechung bedeutsame Unternehmerrisiko beim Selbständigen verbleibt.

Statusfeststellungsverfahren – pro und contra

Grundsätzlich wäre das Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der DRV geeignet, das Risiko einer Beschäftigung von Selbständigen zu vermeiden. Wenn die Entscheidungen der DRV in diesem Verfahren nicht – gelinde gesagt – deutlich vom eigenen Interesse an der Feststellung abhängiger Beschäftigungen motiviert wären.

Rechtzeitig durchgeführt und gut vorbereitet kann ein Statusfeststellungsverfahren aber durchaus Sinn machen. Vor der Einleitung sollte man sich aber unbedingt durch einen in diesem Bereich erfahrenen Rechtsanwalt beraten lassen.

Risiko Steuer – Haftungsbescheid gegen den Vermieter

Ein weiteres Risiko für den Vermieter ist eine eventuelle Haftung für die Steuern, die der Selbständige abführen müsste. Mancher Selbständige nutzt alle Einnahmen zum Lebensunterhalt („brutto = nettp“). Gibt der Stuhlmieter keine Einkommenssteuererklärung ab oder führt die Umsatzsteuer nicht ab, und ist der Selbständige pleite oder untergetaucht, sucht das Finanzamt nach einem Weg, diese Steuern doch noch zu bekommen. Da bietet sich dann ein Haftungsbescheid an, der den Auftraggeber treffen kann. Das sind zwar im Idealfall die Kunden des Selbständigen, aber das könnte das Finanzamt auch anders sehen und Vermieter als den „wahren“ Auftraggeber haften lassen.

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