Trainer können als formal Selbständige rentenversicherungspflichtig sein oder sogar sozialversicherungspflichtig (scheinselbständig). Oft ohne es zu ahnen.

Die versicherungsrechtlichen Kategorien des rentenversicherungspflichtigen Selbständigen nach § 2 Nr. 1 SGB VI („Lehrer“), arbeitnehmerähnlichen Selbständigen nach § 2 Nr. 9 SGB VI („Selbständige mit nur einem Hauptauftraggeber“) und der Scheinselbständigkeit („abhängige Beschäftigung“) im Sinne des § 7 SGB IV werden dabei durcheinandergeworfen, oft vom Steuerberater der selbständigen Trainer, oft aber auch von „Experten“. Ein Beispiel dafür finden Sie auf einer Webseite für Trainer.

Trainer können als „Lehrer“ rentenversicherungspflichtige Selbständige sein

Trainer werden von der Deutschen Rentenversicherung in der Regel als „Lehrer“ und damit rentenversicherungspflichtige Selbständige im Sinne des § 2 Nr. 1 SGB VI angesehen, es sei denn, sie beschäftigen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer oder verdienen selbst weniger als 450 Euro monatlich.

Die Deutsche Rentenversicherung versteht den Begriff „Lehrer“ im Sinne des § 2 Nr. 1 SGB VI weit:

„Lehrkräfte, wenn sie damit regelmäßig mehr als 450,00 Euro monatlich verdienen (auch nebenberuflich). Der Lehrbegriff wird hier weit ausgelegt: So gehört Nachhilfe ebenso dazu wie Golf- oder Aerobicunterricht. Auch selbständige Coaches, Trainer, Moderatoren, Supervisoren oder Feldenkraispädagogen gelten als Lehrer.“

Quelle: DRV

Von dem Begriff „Lehrer“ im Sinne des § 2 Nr. 1 SGB VI werden nach Ansicht der DRV

alle Selbständigen erfasst, soweit ihre Tätigkeit der Art nach darin besteht, anderen Unterricht zu erteilen. Es ist unerheblich, auf welchen Gebieten Wissen und Kenntnisse vermittelt werden, auf welche Weise der Lehrer seine Kenntnisse und die Lehrfähigkeit erworben hat oder wie er den Wissensstoff anderen vermittelt (BSG-Urteil vom 12.10.2000 (ISRV:RE:B 12 RA 4/00 R)). Nicht zu diesem Personenkreis gehören Lehrer, die im Rahmen der Behandlung von Krankheitssymptomen therapeutisch tätig werden (z. B. Sprechlehrer). Selbständige Lehrer im künstlerischen Bereich, also etwa in der Musik und in der darstellenden bzw. bildenden Kunst, sind auch Künstler im Sinne des KSVG.

so die DRV in internen Dienstanweisungen.

Ein Coach, der „Einzeltrainings“ anbietet, wird dagegen nur dann als „Lehrer“ angesehen werden können, wenn das Coaching von Einzelpersonen nicht die überwiegende Tätigkeit ist, sondern Gruppentrainings.

Zu unterscheiden ist die Lehrtätigkeit von einer Beratung. Letztere führt regelmäßig dazu, einem anderen konkrete Entscheidungshilfen darzulegen, damit der zu Beratende ein Entscheidungsdefizit unmittelbar ausfüllen kann. Der Lehrer dagegen will einem anderen Kenntnisse bzw. Fertigkeiten vermitteln, damit dieser zur gegebenen Zeit das Gelernte eigenständig anwenden kann.

Umfasst ein und dieselbe Tätigkeit eines Selbständigen sowohl lehrende als auch sonstige Aspekte, so liegt Versicherungspflicht nach § 2 S. 1 Nr. 1 SGB VI nur vor, wenn die lehrende Tätigkeit überwiegt.

so die DRV in internen Dienstanweisungen.

Wer also „Training – BeratungCoaching“ anbietet, muss damit rechnen, als Lehrer rentenversicherungspflichtig zu werden, wenn die Tätigkeit des lehrenden Trainings überwiegt, also mehr als 50 % des Umsatzes im betreffenden Kalenderjahr ausmacht.

Auch Berater können danach Lehrer sein, wenn die Vermittlung von Wissen überwiegend gegenüber Gruppen von Arbeitnehmern des Kunden und nicht in Form der Entwicklung von Konzepten erfolgt.

Trainer als arbeitnehmerähnliche Selbständige

Aber auch dann, wenn die Tätigkeit nicht als  die eines „Lehrer“ im Sinne des § 2 Nr. 1 SGB VI angesehen werden kann, droht eine Rentenversicherungspflicht als „arbeitnehmerähnlicher Selbständiger“ nach § 2 Nr. 9 SGB VI. Nämlich dann, wenn die Tätigkeit überwiegend für einen Hauptauftraggeber erfolgt. Maßgeblich dafür ist der Umsatz im Kalenderjahr, wenn er bei einem Auftraggeber mehr als 5/6 des Gesamtumsatzes beträgt. Ist dies der Fall, bleibt der Trainer nur dann rentenversicherungsfrei, wenn er einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt (was eher selten der Fall ist).

Keine Rentenversicherungspflicht bei Beschäftigung eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers

Wenn Trainer also einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer oder zwei oder mehrere Minijobber beschäftigen, deren Bruttogehalt zusammen die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet, besteht keine Rentenversicherungspflicht nach § 2 Nr. 1 und Nr. 9 SGB VI.

Scheinselbständigkeit beim Trainer

Trainer, die sogar in einen fremden Betrieb weisungsgebunden tätig werden, können – auch dann, wenn sie mehrere Auftraggeber haben – scheinselbständig sein. Anders als bei der Rentenversicherungspflicht als rentenversicherungspflichtiger Selbständiger oder arbeitnehmerähnlicher Selbständiger treffen die sozialversicherungsrechtlichen Folgen einer Scheinselbständigkeit jedenfalls für die Vergangenheit den Auftraggeber und nicht den Trainer.

Berufsgruppen mit Risiko Rentenversicherungspflicht

Folgende Berufsgruppen droht eine Rentenversicherungspflicht als Lehrer (rentenversicherungspflichtiger Selbständiger) oder arbeitnehmerähnlicher Selbständiger:

Aerobictrainer I Berater I Coach I Dozent I Fitnesstrainer I Fussballtrainer I Golflehrer I Handballtrainer I Kommunikationstrainer I Kursleiter I Moderator I Nachhilfe I Nachhilfelehrer I Personal Trainer I Personaltrainer I Referent I Rhetoriktrainer I Sprachtrainer I Supervisor I Tennistrainer I Trainer I Übungsleiter I Vereinstrainer I Verkaufstrainer I Vertriebstrainer I Sprachlehrer I Schwimmlehrer I Reitlehrer I Skilehrer I Repetitor I Tauchlehrer I Erlebnispädagoge I Freizeitpädagoge I Spinningtrainer I  Outdoor-Trainer I Naturtrainer I

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