Die Tätigkeit als Buchhalter / Buchhalterin wird in der Regel abhängig beschäftigt und nicht selbständig ausgeübt. Ebenso wie bei Schreibarbeiten nimmt die Deutsche Rentenversicherung bei dieser Berufsgruppe gerne Scheinselbständigkeit an.

Dabei weist die Deutsche Rentenversicherung in einem Rundschreiben selbst auf Rechtsprechung hin, die eine selbständige Tätigkeit annimmt:

Finanzbuchhalter
s. auch freie Berufe sowie BSG-Urteile vom 22.06.1966 – 3 RK 103/63-. DieBeiträge 1966, 373 und vom 01.04.1971 – 2 RU 48/68-, USK 7153.

Nach der Rechtsprechung sowohl der Sozialgerichte (zzuletzt etwa Landessozialgericht Baden-Württemberg und Sozialgericht Köln, aber auch Bundessozialgericht)  als auch der Arbeitsgerichte (Bundesarbeitsgericht) kann die Tätigkeit als Buchhalter / Buchhalterin allerdings auch selbständig (meist als Buchhaltungsservice) von Steuerfachgehilfen / Steuerfachgehilfinnen ausgeübt werden.

Die von der DRV im Rundschreiben zitierten Urteile des Bundessozialgerichts haben sog. „Stundenbuchhalter“ als selbständig anerkannt:

„Nach diesen Merkmalen beurteilt, war der Kläger bei seiner Tätigkeit für den Beklagten nicht Beschäftigter, sondern selbständig (vgl. für Stundenbuchhalter Nikisch, aaO, S. 95; Schlegelberger, aaO, Randz. 20 zu § 59 HGB).

Der Kläger war nicht an Weisungen des Beklagten gebunden. Daß ihm keine Weisungen erteilt wurden, wie er seine Arbeiten auszuführen hatte, ergibt sich daraus, daß er als einzige Fachkraft die Steuerangelegenheiten, Lohnabrechnung und Buchführung erledigte. Es wurden ihm aber auch keine anderen kaufmännischen Arbeiten zugeteilt. Nach den Feststellungen des LSG ist der Kläger nur in Ausnahmefällen gebeten worden, eine Rechnung abzuschreiben, weil er schneller mit der Schreibmaschine fertig geworden sei. Ein Beschäftigter hingegen wird angewiesen, eine Arbeit zu tun.

Der Kläger erhielt auch keine Weisungen hinsichtlich der Arbeitszeit. Er war weder verpflichtet, an bestimmten Tagen im Betrieb des Beklagten zu erscheinen, noch eine bestimmte Anzahl von Stunden – z. B. wöchentlich – zu arbeiten, wie es bei mit Teilzeitarbeit beschäftigten Personen üblich ist. Es war vielmehr dem Kläger überlassen, an welchen Tagen, zu welchen Tageszeiten und wie lange er jeweils arbeitete, um die vereinbarten Aufgaben termingemäß (Steuern, Löhne) fertigzustellen. Diese Termingebundenheit beruhte nicht auf Weisungen des Beklagten, sondern auf behördlichen Vorschriften (z. B. für Steuern) und der allgemeinen Organisation des Betriebes in Verbindung mit Tarifverträgen u. ä. (Lohnzahlungstermine). Sie ist kein Anhalt für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis; denn derartigen Terminen sind auch selbständige Unternehmer, z. B. Zulieferer, Steuerberater usw., unterworfen. Die Einhaltung solcher Termine ist eine vertraglich übernommene Verpflichtung, nicht Ausfluß eines Weisungsrechts des Arbeitgebers.

Daß der Kläger die Arbeiten in den Räumen des Beklagten erledigte, hängt mit der Art seiner Tätigkeit zusammen; denn die Buchführung, Steuer- und Lohnabrechnung mußte an Hand der im Betrieb der Beklagten vorhandenen Unterlagen vorgenommen werden.

Der Kläger war nicht in der weiteren Verwertung seiner Arbeitskraft, soweit er sie nicht für den Beklagten einsetzen mußte, für andere Auftraggeber mit entsprechender Zeiteinteilung beschränkt. Auch dies ist ein Hinweis auf Selbständigkeit.

Die Bezahlung nach geleisteten Arbeitsstunden ist bei Gelegenheits- und Hilfsarbeitern üblich und spricht für ein Beschäftigungsverhältnis. Anders ist es bei Buchhaltern in einem Betrieb; bei diesen ist auch bei Teilzeitarbeit die Vergütung nach festem Monats- oder Wochengehalt üblich, wenn sie als in abhängiger Arbeit beschäftigt angesehen werden sollen. Die Bezahlung des Klägers nach den für den Betrieb des Beklagten aufgewandten Stunden spricht daher hier ebenfalls für eine selbständige Tätigkeit. Das gleiche gilt besonders für den Umstand, daß ihm keine anderen Zeiten als die aufgewandten Arbeitsstunden, wie etwa Zeiten von Krankheit und Urlaub, bezahlt wurden.

(BSG, Urteil vom 22. Juni 1966 – 3 RK 103/63 –, SozR Nr 4 zu § 2 AVG, Rn. 52)

Betriebsprüfungsbescheide der lokalen Betriebsprüfdienste oder der DRV Bund sind daher oft fehlerhaft. In letzter Zeit mehren sich Fälle, in denen Steuerberater sogar mit Strafverfahren überzogen werden, weil angeblich bei Einsatz einer früheren Mitarbeiterin / eines früheren Mitarbeiter als selbständige/n Buchhalter / Buchhalterin eine abhängige Beschäftigung vorliegt.

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